Giersch

Aegopodium podagraria

Auch aufgrund seiner Blattform, die der Form eines Hufabdrucks einer Geiß ähnelt, Geißfuß genannt. Das sagt auch der Name Aegopodium: griechisch „Aix (αἴξ), „aigos“ (αἰγός), Ziege und „Pous (πούς), podos (ποδός)“, Fuß. Podagra bedeutet Gicht. So hieß die Pflanze früher auch Zipperleinskraut.

Giersch
Giersch

Endlich wächst er wieder, der Giersch. Man sagt ja, wolle man jemandem was Böses, soll man ihm Giersch in den Garten setzen. Man wird ihn nämlich nicht mehr los. Er vermehrt sich über Samen, aber auch, viel schlimmer, über die Wurzeln. Doch man kann ihn einfach wegessen. Blätter, Stengel und Blüten – die weißen Dolden – sind genießbar und schmecken wie eine Mischung aus Petersilie und gelben Rüben. Zu verdanken haben wir ihn den Römern. Sie schätzten ihn als Gemüse und brachten ihn mit zu uns.
Bereitet man ihn als Gemüse zu, dann hat sich das Problem schnell erledigt. Er fällt zusammen wie Spinat, deshalb braucht man viel. Für einen knackigen Salat tut’s eine Handvoll, besonders wenn man weitere Wildkräuter dazugibt, wie Brennnessel, Gänseblümchen, Vogelmiere oder das zeitig im Frühjahr wachsende Schaumkraut. Damit hat man dann einen Super-Vitamin-Mineral-Cocktail mit besonders viel Vitamin C, Eisen, Kalium und Magnesium.
Würzig auch als Füllung für Ravioli. Hier das Rezept:

Gierschravioli

Gierschravioli
Gierschravioli

Für den Nudelteig : 300 Gramm feinen Hartweizengrieß, 200 Gramm Dunstmehl mit 5 Eiern zu einem festen Teig kneten und eine Stunde ruhen lassen. Danach dünn auswalken, Formen ausstechen und die Täschchen füllen mit einem Teig aus:
200 Gramm Gierschblätter, blanchiert,
200 Gramm Ricotta oder Frischkäse und
200 Gramm würzigem Käse, evtl. Parmesan
Salz, Pfeffer und Muskatblüte
Wenige Minuten nur in köchelndem Wasser ziehen lassen. Darüber Butter oder Sahne oder etwas Olivenöl und Parmesan.
Als süßen Snack kann man die einzelnen Blättchen durch flüssige Schokolade ziehen und dann erkalten lassen. Das geht auch gut mit Minzblättchen.

Besonders erfreulich ist, dass es der Giersch in die Literatur geschafft hat. Also nicht nur in die Kräuterbücher, sondern in die Belletristik. Im letzten Jahr bekam Jan Wagner für seinen Gedichtband „Regentonnenvariationen“ den Leipziger Buchpreis zugesprochen. Darin das wunderbar lautmalerische Gedicht mit dem Titel „Giersch“. Jan Wagner liest es vor:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=50056